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Schreiben auf sich verzweigenden Pfaden. Lexika von Dichtern, Büchern und Texten als Formen der Metaliteratur
I. Satirisch-humoristische Dichter-Lexikographik 1: Franz Blei: »Bestiarium literaricum«

Ein Dichter-Lexikon verfaßt hat Franz Blei unter dem Pseudonym Peregrin Steinhövel und unter einem Titel, der auf humoristisch-verklausulierte Weise den satirischen Charakter seines Unternehmens schon ankündigt: »Bestiarium literaricum / das ist: / Genaue Beschreibung / Derer Tiere / Des Literarischen / Deutschlands / verfertigt / von / Dr. Peregrin Steinhövel / Gedruckt / für Tierfreunde in München in diesem Jahr«.

Die Artikel sind nicht alphabetisch angeordnet, es gibt aber ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis zu ihnen. In diesem »Bestiarium« finden sich Artikel, in denen zeitgenössische Schriftsteller so beschrieben werden, als handle es sich um Tierarten. Unter den behandelten Bestien finden sich u.a. »Der Benn«, »Der Blei«, »Die Curthsmahler«, »Das kleine Einstein«, »Die George«, »Das Gehauptmann« und »Die Kafka«. Dem Grundduktus nach ist Bleis »Bestiarium« satirisch, auch wenn er keineswegs allen Bestien im negativen Sinn kritisch gegenübersteht. Er zielt dort, wo er den Autoren-Bestien nicht ästhetische Schwächen attestiert, primär auf skurrile oder schrullige Züge der jeweiligen Person.

Als ein Büchlein über Schriftsteller, bei dem Urteile über die Werke der behandelten Autoren zumindest implizit in deren Charakteristik einfließen, ist das »Bestiarium« Bleis auch ein Büchlein über Literatur. Insofern die Werke der behandelten Autoren für die Charakteristik sogar den maßgeblichen Ausgangspunkt bilden – porträtiert werden ja literarische Bestien –, ist Bleis kleines Lexikon sogar primär ein metaliterarischer Text.