A.
Ausgangsüberlegungen:
Literatur als Reflexion über Wissen
Poetologien des Wissens

Komplementär zum Interesse am Wissen der Literatur verhält sich das an den ästhetischen und rhetorischen Dimensionen wissenschaftlicher Darstellung von Wissen. Eine ganze Forschungsrichtung in den Literatur- und Kulturwissenschaften setzt sich gegenwärtig mit Themen auseinander, die man unter dem Stichwort Poetologien des Wissens zusammenfassen könnte (Vogl 1999). Vertreten wurde in diesem Zusammenhang die These von der Rhetorizität und Literarizität auch des naturwissenschaftlichen Wissens (Welsch 1996). Der Vergleichbarkeit von literarischen und wissenschaftlichen Narrationen gelten schon seit längerem eingehende Untersuchungen (vgl. White 1991 [1973], Koselleck/Stempel 1973, Kocka/Nipperdey 1979, White 1990 [1987], Eggert/Profitlich/Scherpe 1990, Conrad/Kessel 1994, Michel 2003). Ein breites Interesse gilt der Entdifferenzierung von Faktischem und Fiktivem insbesondere unter dem Vorzeichen rezenter Postmoderne-Theorien. Es hat nicht zuletzt zu einer nachdrücklichen Auseinandersetzung mit dem Thema Fälschungen geführt. Eine Grenzlinie zwischen literarischer Fiktion und (pseudo-)wissenschaftlichem Fake ist nicht immer einfach zu ziehen, und manchmal kommt es den Arrangeuren entsprechender Darstellungsexperimente offensichtlich darauf an, sie zu verwischen. Dem kommt der Umstand entgegen, dass in wissenschaftliche Darstellungen oft Fiktionen integriert sind.